Zinsen auf Schulden: Wohin fließen sie?
Zwei Männer leben auf einer einsamen Insel. Wie organisieren sie die Wirtschaft ihres winzigen Nationalstaats nach den Regeln des internationalen Geschäfts?
Dies ist ein klassisches hypothetisches Problem der Wirtschaftstheorie, das sich mit verschiedenen Ansätzen angehen lässt: von der klassischen Theorie, wie sie Adam Smith in seinem ersten Werk zur Wirtschaftstheorie vertrat, bis hin zu den Theorien anderer Pioniere wie den Physiokraten, Monetaristen, Metallurgen, Marxisten, Strukturalisten, Expansionisten, Neoliberalen, Keynesianern, staatsorientierten Ökonomen und Progressiven. Doch das wirtschaftliche Problem dreht sich stets um die Erfindung des Geldes, dieses Ersatzwährung, der den direkten Tauschhandel ablöste. Die Geldmengenausweitung wurde erst durch das Aufkommen von Derivaten – allesamt virtueller Art – wieder kontrolliert. Diese Derivate verkörpern die Kryptowährung, die Essenz der niederländischen Tulpenmanie: Alles ist virtuell und treuhänderisch.
Diese beiden Männer leben im finanziellen Gleichgewicht, weil es kein zirkulierendes Medium mit Derivaten gibt: Der eine ist Fischer, der andere Sammler, ein Jäger; Tauschgeschäfte werden also durch Schlichtung zwischen ihnen vereinbart.
Letztendlich gibt es einen Bestand an anderen Gütern, die durch Kredite oder Wohltaten austauschbar sind.
Das gegenwärtige Wirtschaftssystem ist virtuell und basiert auf Buchführung; niemand weiß, wo der immaterielle Reichtum, der als Referenz und Deckung dient, zusammenläuft. Wir glauben lediglich an die Fähigkeit der Gegenseite, Werte zu übertragen, doch es handelt sich nur um virtuelle Buchhaltung. Es ist nicht mehr möglich, einen materiellen Vertreter auf Erden für ein weltweites BIP von 100 Billionen US-Dollar zu wählen, das weder auf Banknoten gedruckt noch durch Gold gedeckt noch als physisches Gut gelagert werden kann.
Wir haben unseren Leviathan als spirituellen Gott erschaffen, der weder gesehen noch wörtlich erfasst werden kann.
Wir glauben, dass wir alle Verträge abschließen können und dass eines Tages die Gläubiger bezahlt werden. An diesem fiktiven Tag würde die Weltwirtschaft nach einer Stagnation zusammenbrechen.
Apathie, Lähmung und keine eintreibbaren Schulden – absoluter Winter herrscht an den Grenzen des interstellaren Raums. Schulden sind die einzige Triebkraft, die Reichtum zirkulieren lässt und eine Wirtschaft in ständiger Bewegung hält, wie das Essen und Trinken, das wir täglich zu uns nehmen müssen, ohne Hunger und Durst jemals endgültig zu stillen. Die Wirtschaft ist, wie das Leben selbst, sinnlos.
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